Die Grundlagen der positiven Verstärkung

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Praktisch betrachtet und losgelöst von Belohnungssystemen, funktioniert positive Verstärkung natürlich auch ganz nebenbei im Alltag, z. B. indem Sie Ihren unkonzentrierten SuS vorschlagen: „Wenn ihr es jetzt schafft, noch eine Viertelstunde konzentriert zu arbeiten, lese ich euch danach eine schöne Geschichte vor.“ Denn das hat bestimmt einen angenehmeren Effekt als die Androhung „Wenn ihr euch jetzt nicht konzentriert, müsst ihr den Rest als Hausaufgabe erledigen.“

Generell macht es glücklicher, seinen Fokus auf die guten Sachen im Leben zu legen, anstatt eher das Schlechte, nicht Perfekte oder die Fehler zu bemängeln. Somit wird nicht nur der / die Belohnte oder Gelobte glücklicher, sondern auch der Lobende selbst. Machen Sie also sich selbst und Ihren Kindern öfter mal eine kleine Freude zwischendurch.

Was sind Belohnungssysteme?

Belohnungssysteme, auch Tokensysteme oder Verstärkerpläne genannt, bezeichnen die visuelle Darstellung von Lob für erwünschtes Verhalten seitens des Kindes. Grundsätzlich gibt es zwei Varianten: Die Verstärkung des erwünschten Verhaltens und die Bestrafung des unerwünschten Verhaltens. Eine dritte Variante kombiniert die beiden anderen Grundsätze.

 

Verstärkung des erwünschten Verhaltens
Die Kinder bekommen für erwünschtes Verhalten Tokens (Perlen, Aufkleber etc.) und tauschen sie ab einer bestimmten Anzahl in die entsprechende Belohnung um. Wichtig ist natürlich, dass die Belohnung für die Kinder erstrebenswert ist und sie diese nicht auf anderem Weg bekommen können.

Ein Beispiel: Ihre SuS verbringen die ersten 5 Minuten jeder Schulstunde damit, ihre Sachen für das jeweilige Fach hervorzukramen bzw. die nicht mehr benötigten Materialien der vorangegangenen Stunde wegzupacken. In diesem Fall vergeben Sie einen Smiley-Aufkleber an jedes Kind, das seine Materialien schon am Ende der Schulstunde verstaut und die Unterlagen für die nächste Stunde bereitlegt.

Diese Sticker kleben die Kinder in ihr Bonusheft. Ist es voll bzw. haben Ihre SuS eine festgelegte Anzahl gesammelt, bekommen sie eine Belohnung von ihnen, z. B. ein kleines Geschenk, eine leckere Frucht zum Frühstück in der nächsten Woche oder auch einen Gutschein für 1x Sportsachen vergessen (dann erfolgt z. B. kein negativer Vermerk aufgrund des vergessenen Turnbeutels).


Bestrafung unerwünschten Verhaltens ohne oder mit Verstärkung erwünschten Verhaltens

Bei der Bestrafung unerwünschten Verhaltens bekommt das Kind ein Startguthaben an Tokens, z. B. 10 Perlen. Immer wenn es unerwünschtes Verhalten zeigt, wird eine Perle abgezogen. Sind alle Perlen weg, gibt es eine negative Konsequenz, z. B. einen Vermerk oder ein gestrichenes Privileg.

Bei der Kombination aus Verstärkung des erwünschten Verhaltens und Bestrafung des unerwünschten Verhaltens wird positives Verhalten mit einem Token belohnt, negatives Verhalten mit Entzug desselben.

Generell sollten Sie bei Variante 2 und 3 bedenken, dass Strafen sich auf zwischenmenschliche Beziehungen und Vertrauensverhältnisse negativ auswirken. Gleichzeitig führen Strafen oft zu Trotz und Frustration, also nicht zu Wohlbefinden, Selbstbewusstsein oder glücklichen Kindern.

Übrigens wird positives Feedback auch im Rahmen der sogenannten Nudging-Theorie, einem Begriff aus der Verhaltensökonomik, seitens des Staates angewendet. So drücken erwiesenermaßen mehr Menschen beim Autofahren auf die Bremse, wenn ihnen eine digitalisierte Smiley-Anzeige am Straßenrand ein glückliches oder unglückliches Gesicht als Resultat auf die Fahrtgeschwindigkeit zeigt. Sogar, wenn wir wissen, dass wir bei einem traurigen Smiley nicht geblitzt werden. Denn wir alle mögen lächelnde Gesichter eben viel lieber als traurige.

Was bringen Belohnungssysteme?

Schule funktioniert nach Regeln und auch gemeinsames Lernen im Klassenverband braucht bestimmte Verhaltensregeln: Man lässt einander ausreden, begegnet sich mit Respekt, arbeitet konzentriert usw.

Belohnungssysteme helfen Ihnen dabei, wichtige Regeln umzusetzen. Abgesehen von der Belohnung und der meistens damit einhergehenden Motivation richten die Kinder ihre Aufmerksamkeit auf das jeweilige Thema – das kann wie der sprichwörtliche Knoten im Taschentuch wirken. Vielleicht ist Kim gar nicht bewusst, dass sie immer in die Klasse ruft. Und vielleicht merkt Aleksander gar nicht, dass er mit seinen Keksen alles vollkrümelt.

Oberstes Prinzip ist allerdings immer, die Gründe für unerwünschtes Verhalten der Kinder zu hinterfragen, gerade bei gravierenderen Problemen als Kekskrümeln. Wenn ein Kind ein anderes schlägt oder eine Schülerin den Unterricht stört, steckt meistens mehr dahinter. Belohnungssysteme dienen nicht dazu, störendes oder unangenehmes Verhalten der Kinder „wegzukonditionieren“, sondern sollen die Kinder darin unterstützen, ihr eigenes Verhalten zu optimieren, um sich z. B. besser zu organisieren oder ein gelungenes Miteinander zu ermöglichen.

Wenn es tieferliegende Gründe für das Verhalten eines Kindes gibt, gehen Sie ihnen auf den Grund: Vielleicht hat ein Kind Sorgen oder Streit oder fühlt sich verletzt, nicht beachtet oder verspottet. Und wenn ein Schüler aus Prinzip nie Hausaufgaben in Mathe macht, weil er bereits das Selbstbild verinnerlicht hat, das sowieso nicht zu können, werden Sternchen oder Smileys daran eben auch nichts ändern – außer ihn darin zu bestätigen, dass er Mathe eben einfach nicht kapiert und auch nie kapieren wird.

Meistens hilft in solchen Situationen ein Gespräch unter vier Augen, in dessen Verlauf Sie das Kind danach fragen, wie es sich gerade fühlt, ob Sie ihm in irgendeiner Form helfen können und warum es ein bestimmtes Verhalten an den Tag legt.

Wann sind Belohnungssysteme nicht geeignet?

Natürlich ist ein Belohnungssystem nicht der Joker für jede beliebige Situation oder das Heilmittel für jedes unerwünschte Verhalten. Lob und Belohnung dürfen nicht inflationär verwendet werden, wenn sie wirken sollen. Und natürlich dürfen Kinder Kinder sein: Fehler, Lärm oder Dreck machen, mal nicht brav sein und ihren eigenen Willen haben. Fragen Sie sich selbst vor der Einführung eines Belohnungssystems, welches Verhalten Sie damit bewirken wollen und wie sinnvoll das ist.


Verzichten Sie auf Belohnungssysteme, wenn
:

  • tieferliegende Probleme hinter dem unerwünschten Verhalten stehen.
  • die Kinder das erwünschte Verhalten nicht zeigen können, weil z. B. die Anforderungen zu hoch sind.
  • das erwünschte Verhalten nur dazu dient, dass die Kinder ein möglichst unproblematisches Verhalten an den Tag legen und ihre Bedürfnisse außer Acht lässt.

Bei kleinen alltäglichen Schwierigkeiten hingegen kann ein Belohnungssystem Ihnen und auch Ihren SuS bestens dabei helfen, gemeinsam Erfolge zu erzielen und das Miteinander noch angenehmer zu machen. Der Vollständigkeit halber sei kurz erwähnt, dass die Montessoripädagogik sowohl Strafen als auch Belohnungen kritisch gegenübersteht, da sie zu unnatürlichem Verhalten anregen und somit die kindliche Entwicklung stören können. Stattdessen liegt der Fokus auf Ermutigung und Reflexion, wenn etwas mal nicht so gut läuft.

Tipps und Tricks: So funktionierts mit dem Belohnungssystem

Jede(r) ist unterschiedlich und somit sind auch nicht alle Belohnungen für alle Kinder geeignet. Mehr noch: Ihre SuS sind wahrscheinlich auch in ihrem Verhalten und ihren Schwächen sehr unterschiedlich. Es gibt Kinder, die niemals Hausaufgaben oder Sportzeug vergessen, sodass Sie weder ein Belohnungssystem nutzen müssen, um sie zur Gewissenhaftigkeit anzuhalten noch als Belohnung einen Gutschein für „1x XY vergessen“ anbieten können.


Individualität schlägt Konformität

Vielleicht haben diese Kinder andere Schwächen: Sie brauchen vielleicht länger, um überhaupt eine Aufgabe zu beginnen, haben aber noch nie eine exotische Frucht probiert oder besitzen keine schönen Stifte, obwohl sie sehr gerne malen.

Passen Sie die Belohnungen also an: Ein Kind, das öfter mal seine Bücher vergisst, bekommt Sticker für jeden Tag, an dem alle Materialien vollständig sind. Ein Kind, das auch bei der Stillarbeit gerne redet, klebt für eine ruhige Arbeitssequenz einen Aufkleber ein. Und wie Sie die jeweiligen Kinder belohnen, wissen Sie selbst am besten. Praktisch ist z. B. eine kleine Kiste oder ein „Grabbelsäckchen“ mit verschiedenen kleinen Überraschungen, aus dem die Kinder sich ein Geschenk ziehen, wenn ihr Bonusheft gefüllt ist.


Reden hilft – wie immer

Sprechen Sie mit Ihren SuS, bevor Sie ein Belohnungssystem einführen. Sie können die Kinder z. B. dazu anregen, sich selbst zu überlegen, woran sie arbeiten möchten – und über welche Belohnung sie sich freuen würden. Das ist natürlich mehr Aufwand als ein Standardsystem samt Standardbelohnungen für alle, verspricht aber mehr Effektivität, Akzeptanz und Motivation.


Belohnungstafel oder Bonusheft?

Natürlich ist Ihnen überlassen, für welche Methode Sie sich entscheiden. Bonushefte haben den Vorteil, diskreter und individueller zu sein: Nicht jedes Kind mag es, seinen Namen samt Errungenschaften vor der Klasse präsentiert zu sehen, egal ob es dabei gut oder schlecht abschneidet. Außerdem lässt sich in einem Bonusheft auch besser die jeweilige Vereinbarung notieren.

Wenn die Kinder Ihrer Klasse allerdings gemeinsam eine Herausforderung meistern sollen, z. B. immer die Hausaufgaben machen (wenn die Kinder sie denn verstanden haben), kann auch eine Bonustafel sinnvoll sein. Diskreter ist natürlich auch hier das persönliche Heftchen.

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